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Durch Abenteuer in ein selbstbestimmtes Leben!

Prof. Felicitas Rohlfing über ihre langjährige Erfahrung als Lehrerin von sehbehinderten und blinden Menschen, die Höhen und Tiefen ihrer Arbeit und was Initiativen wie discovering hands für ihre Schüler*innen bedeuten.

Prof. Felicitas Rohlfing

Prof. Felicitas Rohlfing ist Lehrerin für Geografie, Mathematik und Technisches Werken am Bundes-Bildungsinstitut - Schwerpunkt Sehen in Wien, welches blinden und sehbehinderten Kindern einen Pflichtschulabschluss und eine Berufsausbildung ermöglicht. Sie hat es sich also zur Aufgabe gemacht, ihre blinden und sehbehinderten Schüler*innen bestmöglich auf ein selbständiges und selbstbestimmtes Leben vorzubereiten. In einem persönlichen Gespräch erzählt sie uns über ihre langjährige Arbeit mit blinden und sehbehinderten Menschen, deren besonderen Fähigkeiten und die gesellschaftlichen Herausforderungen vor denen ihre Schüler*innen tagtäglich stehen. 

Redaktion: Was können Sie uns über Ihre Arbeit am Bundes-Bildungsinstitut –Schwerpunkt Sehen erzählen? 

Prof. Felicitas Rohlfing: Das Bundes-Bildungsinstitut – Schwerpunkt Sehen ist eine ganz besondere Schule. Unsere blinden und sehbehinderten Schüler*innen auf ihr Leben und ihre Selbständigkeit nach der Schule vorzubereiten, hat für unser gesamtes Team oberste Priorität. Wir sehen uns als Wegbegleiter*innen unserer Schüler*innen mit besonderen Bedürfnissen. Wir vermitteln Wissen, das im Alltag blinder und sehbehinderter Menschen dringend gebraucht wird und unterrichten neben den gängigen Schulfächern auch Gegenstände wie Lebenspraktische Fertigkeiten und Mobilitätstraining. Zudem legen wir viel Wert auf Informatik. Eine große Rolle spielt für uns natürlich auch, dass unsere Schüler*innen alle ihnen zur Verfügung stehenden Hilfsmittel kennen und beherrschen. 

Redaktion: Welche Rolle haben Sie am Bundes-Bildungsinstitut – Schwerpunkt Sehen

Prof. Felicitas Rohlfing: Ich persönlich bin seit über 35 Jahren am Bundes-Bildungsinstitut in Wien tätig. Seit sieben Jahren bin ich Klassenvorstand unserer Orientierungsklasse, die das Ziel verfolgt, alles was bei Schüler*innen an Wissen zum Abschluss einer Ausbildung fehlt, nachzuholen. Zudem engagiere ich mich als Bildungsberaterin, organisiere berufspraktische Tage und stehe unseren Schüler*innen zum Thema Karriereplanung mit Rat und Tat zur Seite. 

Redaktion: Was ist Ihnen in Ihrer Arbeit besonders wichtig? Worin liegen die größten Herausforderungen?

Prof. Felicitas Rohlfing: Für mich ist es besonders wichtig, dass meine Schüler*innen die Welt auf ihre Art und Weise wirklich erleben. Ich sehe mich also ein bisschen als Abenteuerlehrerin – mit mir geht’s für meine Schüler*innen nach draußen. Ich organisiere Projektwochen, Ausflüge und Exkursionen, damit man das was man in der Theorie schon gelernt hat auch in der Praxis sieht. Dieser Ansatz kommt bei vielen meiner Schüler*innen sehr gut an – sie gehen gerne auf Abenteuer. Für manche ist es aber auch eine große Herausforderung nach draußen zu gehen. Die Sehbehinderung ist hier aber selten der Grund dafür, denn wenn wir nach draußen gehen, sind unsere Schüler*innen bestens betreut. Das liegt dann eher an kulturellen Barrieren oder an der Persönlichkeit einzelner Schüler*innen.

Redaktion: Wie Sie vorhin erwähnt haben, stehen Sie Ihren Schüler*innen auch als Bildungsberaterin zur Verfügung. Sie haben also Einblick in die Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten von blinden und sehbehinderten Kindern und Jugendlichen. Wie bewerten Sie die Situation? Welche Herausforderungen sehen Sie in diesem Bereich? 

Prof. Felicitas Rohlfing: Was ich aus Erfahrung sagen kann: Wenn sehbehinderte und blinde Jugendliche arbeitswillig und ausgebildet sind, werden sie auch im Arbeitsprozess eingegliedert sein. Das verdanken wir unter anderem der Arbeit des Blinden- und Sehbehindertenverbandes und der Arbeitsassistenz, mit denen wir auch sehr eng kooperieren. Viele Auswahlmöglichkeiten haben meine Schüler*innen hierbei aber leider nicht. Die Zahl an Berufsfeldern für sehbehinderte Menschen ist sehr begrenzt. Es ist höchste Zeit neue Berufsnischen für sehbehinderte Menschen zu schaffen. discovering hands und der Einsatz blinder und sehbehinderter Frauen als Tastuntersucherinnen in der Brustkrebsfrüherkennung ist hier ein perfektes Beispiel.

Redaktion: Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass beim Ausfall eines Sinnesorgans die anderen Sinne stärker ausgeprägt sind. Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrer Zeit als Blindenlehrerin mit den besonderen Fähigkeiten von Menschen mit Sehbehinderung gemacht? 

Prof. Felicitas Rohlfing: Das Potenzial ist mit Sicherheit da, aber natürlich bei allen unseren Schüler*innen unterschiedlich ausgeprägt. In diesem Zusammenhang ist es ganz besonders wichtig, blinde und sehbehinderte Schüler*innen auf ihre individuellen Fähigkeiten aufmerksam zu machen, Neugierde für diese zu wecken und sie in der gezielten Stärkung ihrer anderen Sinne zu fördern und zu motivieren. 

Redaktion: Das Berufsbild der Medizinisch-Taktilen Untersucherin könnte zukünftig eine Möglichkeit für sehbehinderte Frauen sein, ihre Einschränkung zu einer Begabung zu machen. Wie empfinden Sie diesen Ansatz? 

Prof. Felicitas Rohlfing: Als Lehrerin stehe ich zu 100 Prozent hinter diesem Ansatz. Stärken zu fördern und ins Rampenlicht zu stellen anstatt Schwächen aufzuzeigen, steigert den Selbstwert und die Motivation – aber das gilt natürlich für alle und nicht nur für Menschen mit Sehbehinderungen. 

Redaktion: In Österreich wurden bisher sechs Medizinisch-Taktile Untersucherinnen ausgebildet. Welches Potenzial sehen Sie in einer solchen Ausbildungsmöglichkeit?

Prof. Felicitas Rohlfing: Wirklich toll und enorm wichtig! discovering hands könnte eine weitere berufliche Perspektive für Menschen mit Sehbehinderungen in Österreich bieten – und je mehr Berufsnischen und Auswahlmöglichkeiten es gibt, umso besser können die unterschiedlichen Fähigkeiten und Potenziale unserer Schüler*innen genutzt werden. 

Redaktion: Zwei Ihrer Schülerinnen waren im Rahmen ihrer berufspraktischen Tage zu Gast bei einer unserer Medizinisch-Taktilen Untersucherinnen und konnten so ihren Arbeitsalltag kennenlernen. Welche Erfahrungen haben Ihre Schülerinnen dabei gemacht? Wie war ihr Feedback?  

Prof. Felicitas Rohlfing: Meinen beiden Schülerinnen hat der Schnuppertag sehr gut gefallen. Sie können es sich auf jeden Fall vorstellen, die Ausbildung zur Medizinisch-Taktilen Untersucherin zu absolvieren und ihren ausgeprägten Tastsinn in der Brustkrebsfrüherkennung einzusetzen. 

Redaktion: Wie sehen Sie die Zukunft von discovering hands Österreich? Was würden Sie dem Team von discovering hands mitgeben

Prof. Felicitas Rohlfing: Ich hoffe von Herzen, dass das Berufsbild der Medizinisch-Taktilen Untersucherin möglichst bald in Österreich gesetzlich anerkannt wird. Und was ich euch sonst noch mitgeben möchte: Geduld, Ausdauer und Beharrlichkeit.  

Vielen Dank für dieses spannende Gespräch! 

 

Am Bundes-Bildungsinstitut - Schwerpunkt Sehen haben blinde und sehbehinderte Kinder die Möglichkeit in Klassen mit maximal neun Schüler*innen mit verschiedenen Sehbehinderungs- und Intelligenzgraden den Pflichtschulabschluss zu absolvieren. Zudem gibt es die Möglichkeit einen Polytechnischen Lehrgang, eine Handelsschule oder eine Werkstätte zu besuchen. 

Redakteurin: Helena Gabriel 

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Unser Ziel ist es, das Berufsbild der Medizinisch-Taktilen Untersucherin für blinde und sehbehinderte Frauen nachhaltig in Österreich zu etablieren. Eine Behinderung wird so zur Begabung und fördert die Gesundheit. 

Wenn Sie der Meinung sind, unsere Leistung und Initiative gehören honoriert und unterstützt, freuen wir uns ganz besonders über eine finanzielle Zuwendung Ihrerseits.


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