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Unsere Welt im Rhythmus der Männer – und was ist mit den Frauen?

In einem persönlichen Gespräch hat uns Eva Teja Tschiderer, Doula, Sacred Femininity Coach und Yogalehrerin, erzählt, was es für sie bedeutet „Frau zu sein“, was ihre Arbeit mit Feminismus zu tun hat, und warum ihr die Wertschätzung der Weiblichkeit so am Herzen liegt.

Redaktion: Könntest du uns kurz von dir und deiner Arbeit erzählen?

Eva Teja Tschiderer: Mein Spezialgebiet ist die Frauengesundheit.Als Doula, also Geburtsbegleiterin, Zykluscoach und Yogalehrerin begleite ich Frauen von der Menarche bis in die Menopause. Dabei geht es mir einerseits darum, dass Frauen ihren Zyklus verstehen lernen und andererseits, dass sie während der Schwangerschaft, während der Geburt und auch im Wochenbett gut betreut sind.

Redaktion:Zusammenfassend bezeichnest du dich als „Sacred Femininity Coach“. Wie kam es zu dieser Bezeichnung?

Eva Teja Tschiderer: Ich möchte mit dieser Bezeichnung zum Ausdruck bringen, dass mir die Wertschätzung der Weiblichkeit am Herzen liegt und ich einen wertschätzenden Umgang mit dem eigenen Körper fördern will. Es geht mir um Selbstakzeptanz und Female Empowerment. Frauen müssen über ihren Körper Bescheid wissen, um Entscheidungen frei von Angst und Unsicherheit treffen zu können.

Redaktion:Wie kam es zu deinem großen Engagement für die Weiblichkeit? Und was hat deine Arbeit mit Feminismus zu tun?

Eva Teja Tschiderer: Von klein auf wurde ich von meiner starken Mama geprägt. Sie hat mir beigebracht, dass es mehr als ok ist einfach Frau zu sein. Dazu kam mein persönlicher Leidensweg. Nachdem ich mit 19 die Pille abgesetzt habe, habe ich extreme Menstruationsbeschwerden bekommen. Ich wollte einen Weg finden, diese Schmerzen aufzulösen und habe mich intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt, mich auch mit anderen Frauen zu diesem Thema ausgetauscht und gemerkt: Es gibt so viele Frauen, die still leiden. Nun habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, genau das zu ändern.Dabei ist es mir besonders wichtig klarzumachen, dass Frauen und Männer zwar nicht gleich sind, aber trotzdem die gleiche Wertschätzung verdienen. Frauen sollen mit ihren Qualitäten und ihren Bedürfnissen ernstgenommen werden.

Redaktion:Stichwort „Frau sein“: Was bedeutet es für dich „Frau zu sein“?

Eva Teja Tschiderer: Das große Geschenk, das wir als Frauen haben, ist, dass wir einen Zyklus haben, mit dem wir uns verbinden können und der uns mit der Natur verbindet – und nur weil sich die Welt um uns herum bisher an den Ansprüchen von Männern orientiert hat, heißt das nicht, dass ein Leben nach dem weiblichen Zyklus falsch ist. Wir Frauen müssen beginnen ein System zu kreieren, eine Arbeitswelt und eine Lebensweise zu schaffen, die zu unseren natürlichen – jedoch zurzeit noch gesellschaftlich unterdrückten – weiblichen Bedürfnissen passen. Ich möchte hier ein Beispiel geben: Wenn wir hormonell verhüten, schalten wir den Eisprung aus, schalten wir auch die Monatsblutung aus. Wir werden nach dem heutigen Verständnis „leistungsfähiger“ und passen uns an ein männliches Bild an – was jedoch zu erheblichen gesundheitlichen Ungleichgewichten bei der Frau führen kann.

Redaktion: Woran arbeitest du derzeit? Und welche Pläne hast du für die Zukunft?

Eva Teja Tschiderer: Zum einen arbeite ich an meinem ersten Buch, wo ich schon sehr gespannt bin, wo mich diese Reise hinführt. Zum anderen leite ich seit einiger Zeit eine Jahresgruppe für Frauen, in der wir uns intensiv mit den Themen Ernährung und Zyklus, Sexualität und Lust, aber auch Verhütung und Vorsorge auseinandersetzen. Denn ein gesunder Zyklus ist für das Wohlbefinden und die Gesundheit einer Frau extrem wichtig, ganz unabhängig von einem Kinderwunsch oder nicht.Das dritte Projekt, das mich derzeit beschäftigt, dreht sich um vaginale Dampfbäder, eine ganz sanfte Methode der Frauenheilkunde, die vorbeugend wirkt und die natürliche Reinigung der Gebärmutter während der Menstruation unterstützt. Hier habe ich gerade mit Kolleginnen für den deutschsprachigen Raum ein Online-Training gestartet.

Redaktion: Wie wird deine Arbeit von Frauen und Männern in Österreich angenommen?

Eva Teja Tschiderer: In meinen Kreisen wird meine Arbeit sehr gut angenommen – vor allem von Frauen, die das Gefühl haben sie würden sich gerne auf einen natürlicheren Weg begeben oder wieder mit ihrer Weiblichkeit in Kontakt kommen. In anderen Worten: Frauen, die sich selbst wieder spüren wollen, landen bei mir und ich darf sie auf ihrer Reise begleiten. Männer in meinem Umfeld sind oft perplex, dass es so etwas überhaupt braucht, wenn ich ihnen aber mehr von meiner Arbeit erzähle, zeigen sie sich verständnisvoll.

Redaktion: Wie wird über Frauen und ihre Weiblichkeit öffentlich diskutiert bzw. kommuniziert?

Eva Teja Tschiderer: Je mehr ich im Mainstream ankomme, auch schon im ORF war, desto mehr merke ich, dass es noch immer sehr viel Aufklärung braucht und sehr viel Hemmung in der Kommunikation rund um Frauengesundheit gibt. Menstruation ist noch immer ein großes Tabuthema. Auch das Thema eines zyklusgerechten Arbeitsalltags stößt oftmals auf Unverständnis und auch Wut, dass Frauen es sich plötzlich anmaßen mitzugestalten und ihre Bedürfnisse zu äußern, anstatt sich einfach anzupassen. Das Frauenbild ist also weiterhin sehr oberflächlich und auf Äußerlichkeiten beschränkt – und damit auch ungesund.

Redaktion: Aus deiner Erfahrung als Frauengesundheits-Expertin: Was beschäftigt Frauen in Bezug auf ihre Gesundheit/ihre Weiblichkeit im Moment am meisten?

Eva Teja Tschiderer: Das Thema Fruchtbarkeit ist zurzeit sehr groß, vor allem auch die Angst davor keine Kinder bekommen zu können.Zudem ist die Angst vor Brustkrebs ein großes Thema. Hierbei spielt auch COVID-19 eine Rolle: Die generelle Unsicherheit, der wir ausgesetzt sind, verstärkt Ängste in unterschiedlichsten Lebensbereichen, wie auch der Frauengesundheit.

Redaktion: Von welchen Trends und Best Practices zum Thema Frauengesundheit kannst du uns berichten? Worin liegen die größten Herausforderungen, worin die größten Chancen für intensiver gelebte, entfaltete Weiblichkeit?

Eva Teja Tschiderer: Ich sehe einen Trend weg von hormoneller Verhütung hin zu Empowerment. Das Interesse, den eigenen Körper kennenzulernen steigt. Wir werden immer achtsamer. Auch Vorsorge spielt eine immer größere Rolle. Hier geht der Trend weg von Symptombekämpfung hin zu ganzheitlicher Gesundheit. Ganz spannende Entwicklungen sind auch in der Femtech-Branche zu beobachten. Neue Apps zum Thema Zyklustracking, Fruchtbarkeit und Familienplanung oder für die Beckenbodengesundheit werden zur Verfügung gestellt. Forschungen zu Lösungen für die Frau boomen – und das ist auch gut so. 

Redaktion: In deiner Arbeit willst du, genau wie discovering hands Österreich, die Frauengesundheit vorantreiben und zu Women Empowerment beitragen. Mit deinen Einblicken in diesen Bereich: Glaubst du an den Bedarf und den Mehrwert einer Initiative wie discovering hands?

Eva Teja Tschiderer: Ja auf jeden Fall! Was ich superschön bei euch finde: Ihr verfolgt einen sehr individualisierten, sehr personalisierten Ansatz, wo die Frau wieder im Mittelpunkt steht, wo sich Zeit genommen wird und wo Emotion Platz hat. Bei euch darf man Frau sein und Angst haben – das ist toll.

Redaktion: Was möchtest du dem discovering hands Österreich Team für die Zukunft mitgeben?

Eva Teja Tschiderer: Ich feire natürlich eure Initiative und wünsche euch von Herzen, dass die rechtliche Grundlage bald geschaffen wird und es euch überall in Österreich geben kann.

Redaktion: In Zeiten von COVID-19, welche Tipps kannst du unseren Leserinnen zum Thema Frauengesundheit zum Abschluss noch mitgeben?

Eva Teja Tschiderer: Erlaubt euch zu fühlen, gebt euren Emotionen Raum und gönnt euch auch Ruhephasen. Ich bin beispielsweise ein großer Fan von Brustmassagen. Das kann etwas total Erdendes sein. Mit einem gut duftenden Massageöl und in entspannter Atmosphäre kann so sogar die Selbstabtastung der Brust zu etwas Genussvollem werden.

Redaktion: Vielen Dank für das spannende Gespräch!

Nähere Infos zu Eva Teja Tschiderer und ihrer Arbeit als „Sacred Femininity Coach“ gibt es auf ihrer Website, Facebook und Instagram. Nähere Infos zu ihrem Projekt zu vaginalen Dampfbädern gibt es unter vaginalsteaming.at.

Redakteurin: Helena Gabriel

 

 

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