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Der Dialog mit meinem Körper

Studienteilnehmerin Marina Vinc über das Gefühl, ganz wahrgenommen zu werden.

Fotocredit: Sabine Sikor-Petz, SuperPR

Marina Vinc, 44, ist eine selbstbewusste und vor allem selbstbestimmte Frau. Eine Frau, die sich achtsam ihrer persönlichen Gesundheit widmet.  In sich hinein zu spüren und in einen liebevollen Dialog mit dem eigenen Körper zu gehen ist ihr Anliegen und Bedürfnis zugleich. Eine Brusttastuntersuchung durch eine sehbehinderte, ausgebildete Medizinisch-Taktile Untersucherin, die sich viel Zeit nimmt und Aufmerksamkeit schenkt, ist für sie ein ideales Früherkennungsinstrument. . Genau aus diesem Grund hat sie sich für eine Teilnahme an der Studie von discovering hands entschieden und ihre Vorsorge um diese sanfte Methode erweitert. Wir haben uns mit ihr über ihre Erfahrungen bei der Untersuchung und das Prinzip der Selbstverantwortung unterhalten.
 

Redaktion: Welche Bedeutung hat Brustkrebsfrüherkennung für Sie?

Marina Vinc: Früherkennung von Brustkrebs nimmt durch verschiedenste Umwelteinflüsse der heutigen Zeit für mich auf jeden Fall an Bedeutung zu. Aber auch die Genetik spielt hierbei eine entscheidende Rolle, wenn es gewisse Risikofaktoren in der Familie gibt oder etwa ein an Brustkrebs erkranktes Familienmitglied, dann ist es umso wichtiger, regelmäßig zur Kontrolle zu gehen. Aber auch der Körper schreit ab einem gewissen Alter danach, dass es Zeit wird, an sich selbst als Frau zu denken und dementsprechend auch an die eigene Gesundheit.

Redaktion: Haben Sie im privaten, persönlichen Umkreis Erfahrung mit der Diagnose Brustkrebs gemacht?

Marina Vinc: Ja, meine Mutter ist leider mit 64 Jahren an Brustkrebs erkrankt. Ich bekomme die Situation nun mit, bin intensiv dabei, wenn sich meine Mutter jetzt mit der eigenen Gesundheit auseinandersetzt, und bin auch hier jemand, der aktiv nachfragt und in den Dialog geht.

Redaktion: Was war Ihre Motivation bei der Studie von discovering hands teilzunehmen?

Marina Vinc: Ich finde die Tastuntersuchung durch blinde Frauen wirklich eine tolle Sache. Es ist eine absolute Win-win Situation. Einerseits wird hierbei für die Frauen ein Arbeitsumfeld geschaffen, in dem sie ebenso Anerkennung erfahren, anderseits sind diese Frauen auf Grund ihrer Einschränkung viel sensibler bei der Untersuchung und nehmen sich sehr viel Zeit. Für mich passt dieses Konzept perfekt in den aktuellen Zeitgeist. Wir sind immer mehr gefordert, auf unseren Körper zu hören, ins Fühlen zu kommen und uns wirklich wahrzunehmen. Deshalb finde ich dieses Projekt wirklich einzigartig. Ich fühle mich ganz wahrgenommen, mir wird Zeit gewidmet, es ist für mich ein sehr weiblicher Zugang, der mich berührt.

Redaktion: Tasten Sie Ihre Brust auch selber ab oder geschieht dies nur im Zuge des Besuches beim Frauenarzt?

Marina Vinc: Ich gehe regelmäßig, im vorgeschriebenen Zeitraum, zur Mammographie und zu meinem Gynäkologen. Meine Brüste taste ich nach Gefühl ab, nehme mir hierbei aber immer ausreichend Zeit und versuche gewisse empfohlene Techniken anzuwenden. Trotzdem ist man verunsichert. Mache ich es richtig? Spüre ich richtig? Kann ich meinen Sinnen vertrauen – das sind alles Fragen, die oft unbeantwortet bleiben. Deshalb ist dieser bewusste Kontakt mit sehbehinderten Frauen, die so viel Gefühl haben, eine absolute Bereicherung für mich.

Redaktion: Wo haben Sie teilgenommen und wie genau lief die Untersuchung ab?

Marina Vinc: Meine Untersuchung fand im Ambulatorium Döbling im 19. Bezirk statt. Zu Beginn wurde ich über den Ablauf der Untersuchung aufgeklärt. Dann erhielt ich einen Fragebogen, den ich ausfüllen musste. Danach wurde ich 30 Minuten lang sehr intensiv von einer MTU abgetastet. Sie wies mich darauf hin, dass ich mich regelmäßig einmal im Monat abtasten sollte und gab mir dazu auch Tipps. Anschließend fand die Tastuntersuchung durch den Arzt und die Mammographie statt. Der Arzt besprach die Ergebnisse dann mit mir.

Redaktion: Wie haben Sie die Untersuchung durch die MTU empfunden?

Marina Vinc: Ich empfand die Untersuchung als sehr angenehm und aufklärend, da sich die Dame außerordentlich viel Zeit für mich nahm und mir alles genau erklärte. Außerdem zeigte sie mir, worauf frau beim Selbstabtasten der Brust achten solle. Nach dem Termin habe ich mich sehr gut informiert, betreut und vor allem wahrgenommen gefühlt.

Redaktion: Tauschen Sie sich mit Bekannten/Freunden/ Familie über das Thema Brustkrebs aus?

Marina Vinc: Ja, aber leider ist es in unserer heutigen Gesellschaft immer noch ein Tabuthema, über das nicht offen gesprochen wird, sondern eher nur im engsten Familien- oder Freundeskreis. Ich denke, das liegt auch oft daran, dass Brustkrebs für viele Frauen mit massiven Ängsten verbunden ist und das Thema somit lieber verschwiegen wird. Durch ein Projekt wie „discovering hands“ können Ängste massiv abgebaut werden. Ich denke, dass es dadurch langfristig gesehen auch leichter wird, über Brustkrebs zu sprechen.

Redaktion: Würden Sie die Tastuntersuchung einer MTU Ihren Freundinnen weiterempfehlen? Wenn ja, warum?

Marina Vinc: Ich kann die Tastuntersuchung der MTU nur wärmstens weiterempfehlen, da ich wirklich sehr gut und kompetent betreut wurde. Frau und ihre Bedürfnisse stehen hier absolut im Vordergrund. Für mich leitet dieses Projekt einen Paradigmenwandel in der Brustkrebsvorsorge ein: Selbstverantwortliche, selbstbestimmte Frauen, die sich auf weibliche und sanfte Art mit ihrer eigenen Gesundheit auseinandersetzen. Nicht mehr in die Angst gehen, sondern ins Vertrauen. Das klingt für mich nach Zukunftsmusik für unsere Gesellschaft. 

Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch.

Wann hat man schon die Möglichkeit, soviel Zeit in so angenehmer Atmosphäre zum Thema Vorsorge zu verbringen? Der sanfte weibliche Zugang, die bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und vor allem auch die Selbstverantwortung, welche die Frauen immer mehr übernehmen, ist Gegenstand der Tastuntersuchung durch eine MTU. Professionalität, Gründlichkeit, Qualität und die Bewusstseinsteigerung für den eigenen Körper stehen hier ganz klar im Vordergrund.

Es werden noch Studienteilnehmerinnen gesucht. Die Studie richtet sich an Frauen ab dem 40. Lebensjahr, die alle zwei Jahre einen Mammographie-Termin wahrnehmen. Diese wird in Wien an fünf verschiedenen Standorten angeboten: Im Ambulatorium Döbling, im Diagnose-Zentrum Urania, im Brustgesundheitszentrum Rudolfstiftung, im Diagnose-Zentrum Röntgen Liesing sowie ab Mitte Februar auch im Röntgen Wien Nord. Sie wollen helfen, ein neues Berufsbild für sehbehinderte beziehungsweise blinde Frauen zu etablieren und von einer kostenlosen, gründlichen Tastuntersuchung profitieren? Dann melden sie sich hier zur Studienteilnahme an.

Redakteurin: Lily Derndler/Super PR